Aus dem Gemeindebrief

Wenn Sie den aktuellen Gemeindebrief (Oktober 2019 - November 2019)
nicht erhalten haben, so kann dieser im Pfarrbüro angefordert werden.

Monatsspruch Oktober 2019

Wie es dir möglich ist:
Aus dem Vollen schöpfend - gib davon Almosen!
Wenn dir wenig möglich ist, fürchte dich nicht,
aus dem Wenigen Almosen zu geben!

Tob 4,8 (E)

Monatsspruch November 2019

Aber ich weiß, dass mein Erlöser lebt.

Hiob 19,25 (L)

Andacht



Weniger ist mehr!

Liebe Gemeindeglieder,

es gibt Worte, die hören viele nicht gerne. "Verzicht" ist so ein Wort.
Oder auch "Langeweile". Aus dem Vollen leben, das klingt schon besser.
Und was abwechslungsreich ist, das ist gefragt.

Ohne Zweifel: Jeder genießt gern. Und jeder genießt Abwechslung. Aber wir sind in unseren
westlichen Konsumgesellschaften in Strukturen hineingeraten, die uns süchtig gemacht
haben nach immer mehr und noch mehr Abwechslung und Genuss.

Die besondere Reise über die Alpen nach Italien war gestern, das ist doch normal - jetzt ist
der Kurztrip zum Shoppen nach New York oder der Urlaub auf den Malediven angesagt.
Oder schnell mal nach Malle - die Flüge kosten ja nichts.

Der besondere Sonntagsbraten war früher, jetzt wird im Sommer dauergegrillt,
das Fleisch ist ja günstig. Die Märkte weiten ihr schon üppiges Sortiment weiter und weiter
aus. "der Verbraucher verlangt's".

Auch dafür werden riesige Hallen auf gutes Ackerland gebaut.
T-Shirts für einen Euro - warum dann noch waschen? Lieber gleich ein Neues kaufen.
Was kostet die Welt? Wir verramschen die Welt.

Natürlich hat das alles seine Kehrseite: Wir sehen die Grenzen des Wachstums: Die Erde hält das
nicht weiter aus.Das Klima verändert sich. Die Meere und der Erdboden verschmutzen.
Unglaublich viele Arten sterben. Wir ruinieren unsere Erde, letztlich uns selbst.

Wir wollen Gott spielen - alles aber ist nur scheinbar machbar.
Und für das, wie wir über unsere Verhältnisse leben, wird uns die Rechnung doch präsentiert -
verramschen nämlich lässt sich auf Dauer die Erde nicht.

Wir dachten, die Rechnung ginge auf - aber sie geht nicht auf.

Kürzlich sagte jemand: "Der Klimawandel hat eine Währung, und die heißt "Verzicht" -
da ist es wieder, dieses ungeliebte Wort, um das wir aber doch nicht herumkommen.

Wie ruft Johannes der Täufer in der Wüste: "Kehrt um".
Ein Ruf, der uns alle, auch heute, trifft. Ein Ruf, der zu den ungeliebten Worten führt.
Ein Ruf, der aber auch in die Tiefen unserer Religionen führt, auch unserer christlichen
Religion: Jesus geht in die Wüste, übt Verzicht, um einen klaren Kopf zu bekommen.
Menschen pilgern,setzen sich bewusst "Langeweile" aus, um Leben neu zu entdecken.
Ich glaube, dass wir mehr Lebensqualität gewinnen, wenn wir weniger aus dem Vollen schöpfen.

Dabei mit Ihnen auf der Suche und auf dem Weg

Ihr Pfarrer
Markus Christ



Brief des Kirchenvorstandes



Nachdenklicher Brief des Kirchenvorstandes zu Kirchenaustritten

In unseren Kirchenvorstandssitzungen gibt es immer wieder von Kirchenaustritten,
aber auch von Kirchen(wieder-)eintritten zu berichten. Bei einer Gemeindegröße
von zur Zeit annähernd 1300 Gemeindegliedern sind das durchschnittlich 5 - 7
Austritte und 2 - 3 Eintritte im Jahr.

Dabei hat gewiss jede/r seine eigenen, persönlichen Gründe, unserer Kirche
den Rücken zu kehren. Da mögen inhaltliche Differenzen zu dem, was Kirche
lehrt und in der Gemeinde praktiziert wird, eine Rolle spielen, aber auch persönliche
Erfahrungen mit Menschen aus der Gemeinde oder auch finanzielle Gründe.
Jedenfalls drückt sich in jedem Austritt eine tiefgehende Entfremdung von der
Institution Kirche aus.

Dabei sagen manche: Ich kann ja glauben, ohne der Kirche angehören zu müssen.
Gott hat doch alle Menschen lieb, auch wenn ich keine Kirchensteuer zahle.
Oder: Wenn ich wüsste, das alles Geld in der eigenen Gemeinde verbliebe, dann
würde ich meinen Beitrag weiter zahlen, aber wer weiß, wo das ganze Geld hingeht.

Uns als Kirchenvorsteherinnen und Kirchenvorsteher und dem Pfarrer dieser
Kirchengemeinde schmerzt und befremdet diese Argumentation.

Wir möchten Ihnen sagen, warum, und bitten Sie, sich ein wenig Zeit zu nehmen,
um unsere Argumentation zu bedenken:

Kirche ist ja zuallererst nicht Institution, sondern Gemeinschaft derer,
die zu Jesus Christus gehören. Darum ist Kirche immer Gemeinde. Gemeinschaft von
Menschen, die ihren Glauben teilen. Jesus sagt: „Wo zwei oder drei versammelt
sind in meinem Namen, da bin ich mitten unter ihnen.“ (Mt 18,20)

Nun haben sich im Laufe der Jahrhunderte und Jahrtausende verschiedene Kirchen
und Gemeinschaften herausgebildet mit je ihren eigenen Vorstellungen von Gott
und Glaube, mit je ihren eigenen Regeln, theologischen Ausrichtungen, Riten
und Kirchenverfassungen.

Unserer protestantischen Landeskirche EKHN (Ev. Kirche in Hessen und Nassau)
ist eine demokratisch verfasste Kirche. Sie wird geleitet auf der Kirchengemeindeebene
durch die gewählten und berufenen Kirchenvorsteherinnen und -vorsteher, auf
Dekants (=Kirchenkreis-)ebene durch die Dekanatssynode, bestehend aus zwei
Dritteln Ehrenamtlichen (zumeist Kirchenvorsteherinnen und –vorsteher aus den
Kirchengemeinden) und einem Drittel Pfarrerinnen und Pfarrer, und auf
landeskirchlicher Ebene durch die Landessynode, die aus den gewählten Mitgliedern
aus den Dekanatssynoden besteht (ebenfalls Ehrenamtliche und Theolog/innen/en
im Verhältnis 2:1). Diese kirchlichen, demokratisch verfassten Leitungsgremien
gestalten in unserer protestantischen Landeskirche den Rahmen kirchlichen Handelns.
Dazu gehört auch, dass festgestellt wird, für was welche Gelder eingesetzt werden.
Die Haushaltspläne der genannten verschiedenen kirchl. Ebenen liegen immer eine
gewisse Zeit zur öffentlichen Einsichtnahme aus. Über die Mitarbeit in den kirchlichen
Gremien kann jedes Mitglied Einfluss nehmen auf die Kirchen– und Haushaltspolitik.

In Deutschland haben Staat und Kirche durch das Kirchensteuersystem eine besondere
Regelung getroffen, der für beide Seiten Vorteile hat: Unsere Kirche verschafft
das Kirchensteuersystem (Kirchensteuer normalerweise 9% der Einkommensteuer,
bei höheren Einkommen ist Kappung möglich - unbeschränkt abzugsfähig) finanzielle
Planungssicherheit, und die Kirche bezahlt dem Staat die Nutzung des Systems des
Steuereinzuges.

Übrigens: In Freikirchen, die sich des Kirchensteuersystems nicht bedienen, liegt
in der Regel der Beitrag, den die Menschen für ihre Kirche und Gemeinden entrichten,
um ein vielfaches höher als für die Mitglieder in unserer Landeskirche.

Wer nun zum Ergebnis kommt, dass seine Kirche das Geld nicht wert ist, das er/sie
zahlen müssten, dessen Entscheidung ist zu respektieren, aber sie hat auch Konsequenzen.

Vorallererst schwächt jeder Austritt unsere Kirche mit all den Diensten, die von
ihr ausgehen. Da ist zunächst das hohe Engagement von Ehrenamtlichen in den
Kirchengemeinden, auch hier bei uns, in den so unterschiedlichsten Gruppen und
Kreisen und Ausschüssen. Da geht es z.B. um Bereich Seelsorge und Besuche,
um Kindergottesdienst und Arbeit mit Kindern, um Vorbereitungen und Begleitung
auf Konfirmandenfahrten und ähnliches, um diakonische soziale Leistungen, um
Gestaltung von Gottesdiensten, Kirchenmusik, um Frauen– und Seniorenarbeit.
Da geht es um die Leitung der Kirchengemeinde durch den Kirchenvorstand und
um die bauliche Unterhaltung von Kirche und Gemeindehaus. Ehrenamtliche leiten
Gruppen und gestalten inhaltlich und kreativ.
(Dass dabei nicht in jeder Kirchengemeinde alles abgedeckt sein kann, versteht sich von selbst).

Unsere Kirchengemeinde Langen-Bergheim hat das Glück, noch eine Pfarrstelle vor Ort
zu haben, denn überall werden Pfarrstellen zusammengestrichen. So ist auch bei uns
seit einigen Jahren Pfr. Christ noch mit einem Viertel seines Dienstes im Kirchspiel
Eckartshausen (insbesondere mit der Zuständigkeit für Himbach) eingesetzt.

Regional und überregional ist Kirche engagiert. Um nur einige Bereiche zu nennen:

- In unserem Büdinger Dekanat sind wir engagiert im kirchlichen Jugendkulturbahnhof
Bleichenbach, der Büdinger Tafel, der Diakoniestation, der Hospizarbeit u.v.m.

- Auch wenn der Staat mitunter einen hohen finanziellen Anteil von kirchlichen
Einrichtungen wie z.B. Krankenhäuser, Heimen, Kindertagesstätten und kirchlichen
Schulen übernimmt, so profitieren doch umgekehrt auch Staat und Gesellschaft von
dem kirchlichen Engagement.

- Die Jugendkulturkirche St. Peter in Frankfurt ist ein besonderes herausragendes Projekt
unserer Landeskirche, das mittlerweile sogar beginnt, Jugendliche auch bis aus unseren
Dörfern anzuziehen.

- Erwachsenenbildung, weltweite Verbindungen zu Partnerkirchen, ökumenische Veranstaltungen
und Beziehungen fördern Bewusstseinsbildung und Frieden. Brot für die Welt leistet
wertvolle Hilfe zur Selbsthilfe.

So bedeutet jeder Kirchenaustritt als Konsequenz eine Schwächung der Gesamtkirche und
auch der Kirche vor Ort:

Die Stimme unserer Kirche wird mit jedem Kirchenaustritt in unserer Gesellschaft weniger
gehört. Gerade unsere hessen– nassauische Landeskirche ist eine Kirche, die in
theologischen und moralischen Fragen immer sehr aufgeschlossen und liberal sich
an den gesellschaftlichen Diskussionen beteiligt hat.
So hat z.B. unsere Kirche schon vor Jahren die Segnung gleichgeschlechtlicher Paare
ermöglicht. Auch im Bereich der Friedensethik, in Fragen von Bewahrung der Schöpfung
und weltweiter Gerechtigkeit erhebt die Kirche ihre Stimme, ist in Mediations-
verfahren und Kommissionen engagiert. Dieser Einfluss geht mit jedem Austritt zurück.

Und vor Ort wird durch einen Austritt die Wahrscheinlichkeit höher, dass eine Pfarrstelle
bei einem Pfarrerwechsel einmal nicht mehr besetzt werden wird.

Aber auch jeder Kirchenaustritt hat auch Konsequenzen für die Betreffenden:
Sie verlieren mit dem Austritt ihre Rechte in der Kirche: Sie können nicht mehr an
Kirchenvorstandswahlen teilnehmen, können das Patenamt nicht mehr übernehmen,
haben keinen Anspruch auf kirchliche Amtshandlungen wie Hochzeiten und Beerdigungen.

Schwierig ist dabei, wenn diejenigen, die ausgetreten sind, diesen Schritt mit ihren
Angehörigen nicht vorher abgesprochen haben. So kann es dann passieren, dass die
Überraschung groß ist, wenn etwa das geplante Patenamt gar nicht übernommen werden
kann oder bei Todesfall der Angehörige nicht kirchlich bestattet wird.

Dabei müssen wir Entscheidungen, die Menschen fällen, ernst nehmen. Wer aus der Kirche
austritt, der möchte unsere Kirche nicht weiter unterstützen und hat sich innerlich so
weit von ihr entfernt, dass sie ihm das Geld nicht wert ist, dass er/sie zahlen müsste.
Wenn der Austritt inhaltlich begründet ist und voller Überzeugung gefasst wird, ist dieser
Schritt konsequent und freie Entscheidung jedes Einzelnen. Niemand muss einer Kirche
angehören oder einer Religionsgemeinschaft. Aber auch umgekehrt bitten wir die Betreffenden,
dass sie ihren Austritt (oder den ihrer Angehörigen) auch mit allen Konsequenzen, die sich
daraus ergeben, treffen!

Wir wissen: Keine Kirche und Gemeinde ist die allein seligmachende. Wem als Christ unsere
Art der Theologie, Glaube und Gemeinde nicht zusagt, wird Heimat finden in einer anderen
Kirche oder Glaubensgemeinschaft. Aber die Vorstellung, Christ sein und an Gott glauben
zu können, ohne überhaupt irgendeiner Gemeinschaft von Glaubenden anzugehören
(und damit Geld sparen zu können), um dann doch im Notfall darauf zu vertrauen,
dass dann die Kirche ja doch wieder für einen da sein wird, ist unsolidarisch und
höhlt das System aus.

Wenn Sie diesbezüglich Fragen haben oder mit uns reden möchten: Sprechen sie uns an!

Besuchskreis

Besuche halten die Verbindung zur Kirche und Gemeinde aufrecht und
trösten und stärken Menschen. Wie gut kann ein Gespräch tun, das einem vermittelt:
Ich werde wahrgenommen und wertgeschätzt. Und wie wichtig ist es manchmal auch,
dass jemand aus der Distanz die Dinge noch einmal ganz anders sehen hilft.

Aus diesem Grunde haben sich einige Frauen aus unserer Kirchengemeinde und
Pfarrer Christ zu einem Besuchskreis zusammengefunden. Geburtstagsbesuche,
Besuche Neuzugezogener, Besuche alter, einsamer oder kranker Menschen - an so
vielen Stellen kann ein wertschätzendes, freundliches Wort gut tun.

Freuen sie sich, wenn Sie besucht werden. (Aber haben Sie auch den Mut, uns zu
sagen, wenn sie keinen Besuch möchten).

Wir suchen auch noch weitere Ehrenamtliche, Männer und Frauen, die sich vorstellen
können, im Besuchsdienst mitzuarbeiten.

Wenn Sie Interesse haben, melden Sie sich bitte bei
Pfarrer Markus Christ.

Hausabendmahl

Für alte und kranke Gemeindeglieder, die nicht mehr zur Kirche gehen können,
biete ich die Möglichkeit zum Hausabendmahl an, an dem selbstverständlich
auch Familienangehörige und Freunde teilnehmen können.

Wenn sie dies wünschen, melden Sie sich bitte bei mir.
Pfarrer Christ Tel.: 06185/1602

Offene Kirche

Wer Ruhe in aller Hektik sucht,
wer zu sich selber und zu Gott kommen möchte,
wer ein Gebet, für sich oder andere sprechen will
und eine Kerze entzünden möchte,
der findet in unserer Kirche immer die dazu nötige Stille
und den besonderen Raum.

Von Oktober bis April 10 – 16 Uhr
Von Mai bis September 10 — 18 Uhr